Kaffee und Körperfett: Das zeigt eine neue Studie
Kaffeetrinker hatten in einer finnischen Studie weniger Körperfett und mehr Muskelmasse. Doch macht Kaffee tatsächlich schlanker und fitter?
- Was die Ergebnisse wirklich bedeuten
- Über 2.200 Teilnehmer wurden untersucht
- Was Kaffee im Körper bewirken könnte
- Bei Männern waren die Zusammenhänge deutlicher
- Fünf Tassen sind keine neue Empfehlung
Eine neue Studie verbindet hohen Kaffeekonsum mit weniger Körperfett und mehr Muskelmasse
Was die Ergebnisse wirklich bedeuten.
TL;DR: Kaffeetrinker hatten in einer finnischen Studie weniger Körperfett und mehr Muskelmasse. Doch macht Kaffee tatsächlich schlanker und fitter?
Für viele von uns beginnt der Morgen erst nach dem ersten Kaffee. Er macht wach, duftet herrlich und schenkt zumindest gefühlt jene Energie, die vor dem Frühstück noch irgendwo zwischen Bettdecke und Badezimmer verloren gegangen ist. Eine neue finnische Studie liefert nun einen weiteren Grund, genauer in die Kaffeetasse zu schauen.
Forscher der Universität Oulu haben untersucht, wie der regelmäßige Kaffeekonsum mit Körperfett, Muskelmasse, Stoffwechselwerten und Sexualhormonen zusammenhängt. Das überraschende Ergebnis: Teilnehmer mit einem höheren Kaffeekonsum hatten im Durchschnitt weniger Körperfett, weniger Fett im Bauchraum und gleichzeitig mehr Muskelmasse.
Doch bevor wir den Kaffeevollautomaten zum neuen Fitnessgerät erklären: Die Studie zeigt zunächst nur Zusammenhänge. Ob der Kaffee tatsächlich für die Unterschiede verantwortlich ist, lässt sich daraus nicht ableiten.

Über 2.200 Teilnehmer wurden untersucht
Für die Untersuchung verwendeten die Forscher Daten aus der „Northern Finland Birth Cohort 1966“. Diese Langzeitstudie begleitet Menschen, die im Jahr 1966 in Nordfinnland geboren wurden.
Ausgewertet wurden die Angaben und Untersuchungsergebnisse von 2.264 Frauen und Männern im Alter von 46 Jahren. Die Teilnehmer wurden entsprechend ihres täglichen Kaffeekonsums in verschiedene Gruppen eingeteilt:
- kein Kaffee
- ein bis zwei Tassen pro Tag
- drei bis vier Tassen pro Tag
- mindestens fünf Tassen pro Tag
Fast die Hälfte der untersuchten Personen gehörte zur Gruppe mit dem höchsten Konsum. Allerdings wurde in der Befragung nicht genau festgelegt, wie groß eine „Tasse“ war. Auch Informationen über Kaffeesorte, Zubereitungsart oder Zusätze wie Milch und Zucker fehlten.
Mehr Muskeln und weniger Körperfett
Bei den Untersuchungen zeigte sich ein auffälliges Muster: Die Teilnehmer mit einem höheren Kaffeekonsum hatten einen niedrigeren Körperfettanteil, weniger absolute Fettmasse und eine geringere Menge an viszeralem Fett. Viszerales Fett lagert sich im Bauchraum rund um die inneren Organe ab. Im Gegensatz zu den kleinen Pölsterchen direkt unter der Haut gilt eine größere Menge dieses Bauchfetts als gesundheitlich besonders ungünstig.
Gleichzeitig wiesen die stärkeren Kaffeetrinker im Durchschnitt mehr Skelettmuskelmasse auf. Interessant ist, dass sich der Body-Mass-Index, kurz BMI, zwischen den Gruppen kaum unterschied. Das zeigt auch eine bekannte Schwäche des BMI: Er berücksichtigt lediglich das Verhältnis von Gewicht und Körpergröße, unterscheidet aber nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Zwei Frauen mit gleichem BMI können deshalb eine deutlich unterschiedliche Körperzusammensetzung haben.

Was Kaffee im Körper bewirken könnte
Warum ein höherer Kaffeekonsum mit einer günstigeren Körperzusammensetzung zusammenhing, ist noch nicht eindeutig geklärt. Kaffee enthält neben Koffein zahlreiche weitere biologisch aktive Stoffe. Koffein kann kurzfristig den Energieverbrauch erhöhen, das Nervensystem anregen und die Fettverbrennung beeinflussen. Denkbar ist daher, dass regelmäßiger Konsum bestimmte Prozesse im Stoffwechsel unterstützt.
Ebenso möglich ist jedoch, dass andere Inhaltsstoffe des Kaffees eine Rolle spielen. Auch die Zubereitung könnte entscheidend sein: Filterkaffee enthält beispielsweise eine andere Zusammensetzung als ungefilterter Kaffee, Espresso oder Cappuccino.
Die Forscher betonen deshalb, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Erst kontrollierte Studien können zeigen, ob Kaffee selbst die beobachteten Veränderungen auslöst.
Auffällige Werte im Aminosäurestoffwechsel
Neben der Körperzusammensetzung untersuchten die Wissenschaftler zahlreiche Stoffwechselmarker im Blut. Bei Frauen und Männern ging ein höherer Kaffeekonsum mit niedrigeren Konzentrationen bestimmter verzweigtkettiger Aminosäuren einher. Diese sogenannten BCAAs – dazu gehören Leucin, Isoleucin und Valin – sind lebenswichtige Aminosäuren und spielen unter anderem für die Muskeln eine Rolle. Dauerhaft erhöhte Blutwerte werden jedoch mit Insulinresistenz und einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.
Die niedrigeren Werte könnten daher auf Unterschiede im Stoffwechsel hinweisen. Sie bedeuten allerdings nicht, dass BCAAs aus Lebensmitteln oder Sportprodukten grundsätzlich problematisch sind. Entscheidend ist, warum sie sich im Blut anreichern und wie der Körper sie verarbeitet.
Bei Männern waren die Zusammenhänge deutlicher
Einige Ergebnisse fielen bei Männern stärker aus als bei Frauen. Männer mit einem höheren Kaffeekonsum zeigten unter anderem günstigere Glukose- und Insulinwerte. Außerdem wurden Zusammenhänge mit verschiedenen Hormonwerten festgestellt. Ein höherer Konsum war bei Männern mit höheren Konzentrationen von Gesamttestosteron, bioverfügbarem Testosteron und dem Sexualhormon-bindenden Globulin SHBG verbunden. Gleichzeitig waren freies Testosteron und der freie Androgenindex etwas niedriger.
Bei Frauen waren die hormonellen Zusammenhänge schwächer. Hier zeigte sich vor allem eine Verbindung zwischen dem Kaffeekonsum, einem höheren SHBG-Wert und niedrigeren Werten frei verfügbarer Androgene. Einen eindeutigen Zusammenhang mit dem gesamten oder bioverfügbaren Testosteron fanden die Forscher bei Frauen nicht.
Die Ergebnisse bedeuten deshalb keineswegs, dass Kaffee den Hormonhaushalt gezielt regulieren kann. Sie liefern lediglich Hinweise auf geschlechtsspezifische Zusammenhänge, die nun genauer erforscht werden müssen. Die vollständige Studie erschien im „European Journal of Nutrition“.
Macht Kaffee jetzt schlank und fit?
So verlockend die Vorstellung auch ist: Eine Extraportion Kaffee ersetzt weder Krafttraining noch Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Querschnitts- und Beobachtungsstudie. Sie kann zeigen, dass bestimmte Merkmale gemeinsam auftreten – aber nicht, dass eines davon das andere verursacht.
Möglicherweise unterschieden sich die Teilnehmer auch in Bereichen, die nicht vollständig erfasst wurden. Dazu könnten Ernährungsgewohnheiten, Stress, Schlaf, genetische Voraussetzungen oder andere Aspekte des Lebensstils gehören.
Zwar berücksichtigten die Forscher Faktoren wie körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Bildung und BMI. Dennoch lassen sich weitere Einflussfaktoren nicht sicher ausschließen. Hinzu kommt: Die Körperzusammensetzung wurde mithilfe einer Bioimpedanzanalyse ermittelt. Dieses Verfahren liefert praktische Schätzwerte, kann aber unter anderem durch den Flüssigkeitshaushalt beeinflusst werden.
Fünf Tassen sind keine neue Empfehlung
In der Studie galt ein Konsum von mindestens fünf Tassen am Tag als hoch. Daraus sollte jedoch keine Trinkempfehlung abgeleitet werden. Entscheidend sind Tassengröße, Kaffeesorte, Zubereitung und der jeweilige Koffeingehalt.
Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gelten für gesunde, nicht schwangere Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein über den Tag verteilt als gesundheitlich unbedenklich. Schwangeren wird eine deutlich niedrigere Höchstmenge von 200 Milligramm empfohlen. Weitere Informationen bietet die EFSA.
Wie viel Kaffee gut vertragen wird, ist außerdem sehr individuell. Manche Menschen können nach einem Espresso am Abend wunderbar schlafen, andere liegen nach dem Nachmittagskaffee hellwach im Bett. Herzklopfen, Nervosität, Magenbeschwerden oder Schlafprobleme sind deutliche Zeichen, den Konsum zu reduzieren.
Auch Zucker, Sirup und Sahne sollten nicht vergessen werden. Ein schwarzer Filterkaffee ist schließlich etwas anderes als ein großer Karamell-Latte mit Schlagsahne.
Was wir aus der Studie mitnehmen können
Die Ergebnisse liefern spannende Hinweise darauf, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit der Körperzusammensetzung, dem Stoffwechsel und bestimmten Hormonwerten zusammenhängen könnte. Besonders interessant ist, dass Unterschiede bei Muskel- und Fettmasse sichtbar waren, obwohl der BMI der untersuchten Gruppen ähnlich ausfiel.
Ob Kaffee tatsächlich dazu beiträgt, Körperfett zu reduzieren oder Muskelmasse zu erhalten, muss jedoch erst in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Bis dahin bleibt Kaffee das, was er für viele von uns ohnehin ist: ein genussvolles Morgenritual – aber kein Muskeltraining aus der Tasse.
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