Großer AfD-Faktencheck: Was würde die AfD wirklich ändern?

Was würde sich in Deutschland tatsächlich verändern, wenn zentrale Forderungen der AfD zur Regierungspolitik würden? Unser großer Faktencheck schaut hinter Wahlkampfslogans und politische Zuspitzungen: Wir prüfen, was die Partei bei Steuern, Migration, Familie, Rente, Klima, Europa und Außenpolitik konkret fordert, wer davon profitieren könnte, wo Risiken entstehen – und welche Pläne rechtlich oder praktisch an Grenzen stoßen.

09. September 2026 24 Minuten

🔎 TL;DR: Was würde passieren, wenn zentrale AfD-Forderungen tatsächlich Regierungspolitik würden? Der Unterschied wäre in vielen Bereichen deutlich spürbar: bei Steuern, Migration, Familie, Rente, Energie, Klima, Gesundheit, Bildung und Deutschlands Verhältnis zu Europa und Russland. Einige Maßnahmen könnten bestimmte Haushalte finanziell entlasten – gleichzeitig zeigen Modellrechnungen erhebliche Einnahmeausfälle für den Staat, während zahlreiche zusätzliche Leistungen versprochen werden. Besonders weitreichend wären der ausdrücklich geforderte Austritt Deutschlands aus dem Euro-System, eine deutlich restriktivere Migrations- und Einbürgerungspolitik, der Rückbau der Klimapolitik und ein gesellschaftspolitischer Kurswechsel. Entscheidend ist jedoch: Nicht alles, was in einem Wahlprogramm steht, könnte eine Bundesregierung allein oder kurzfristig umsetzen.

🧭 Wahlprogramm oder Schlagzeile: Was prüfen wir eigentlich?

Kaum eine deutsche Partei wird derzeit so emotional diskutiert wie die AfD. Befürworter versprechen sich von ihr einen grundlegenden politischen Kurswechsel. Kritiker warnen vor weitreichenden Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft, Migration, Europa und demokratische Institutionen.

Ein seriöser Faktencheck muss deshalb drei Ebenen auseinanderhalten: das offiziell beschlossene Programm, öffentliche Aussagen von Funktionären und die Frage, was sich davon tatsächlich in Gesetze übersetzen ließe.

Die wichtigste Grundlage dieses Artikels ist das auf dem AfD-Bundesparteitag in Riesa verabschiedete Bundestagswahlprogramm 2025. Hinzu kommen parlamentarische Initiativen aus der laufenden Wahlperiode, geltendes deutsches und europäisches Recht sowie Analysen unabhängiger Institutionen. Stand der Recherche: 9. September 2026.

⚖️ Wichtig: Ein Wahlprogramm ist kein fertiges Gesetz. Wo im Folgenden von möglichen Folgen gesprochen wird, unterscheiden wir deshalb zwischen klarer Forderung, wahrscheinlicher Wirkung und offener beziehungsweise rechtlich schwieriger Umsetzung. Modellrechnungen sind Szenarien – keine Vorhersagen.

Auch der politische Kontext gehört zum Faktencheck

Die AfD wird bundesweit weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet. Die 2025 vom Bundesamt für Verfassungsschutz vorgenommene Höherstufung zur „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“ darf die Behörde aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln vom Februar 2026 vorerst nicht verwenden. Das gilt bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens in erster Instanz. Das Gericht sah im Eilverfahren allerdings einen starken Verdacht dafür, dass innerhalb der Partei gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Bestrebungen existieren, hielt eine entsprechende Prägung der Gesamtpartei für die vorläufige Höherstufung jedoch nicht für ausreichend festgestellt.

Diese juristische Einordnung ersetzt keinen Faktencheck des Programms – sie gehört aber zum Gesamtbild einer Partei, deren Regierungsfähigkeit und mögliche Auswirkungen derzeit intensiv diskutiert werden.

🔍 Die wichtigsten AfD-Forderungen auf einen Blick

Bereich Zentrale Forderung Mögliche praktische Folge Größte offene Frage
Steuern Grundfreibetrag auf 15.000 Euro, Soli abschaffen, Grund- und Erbschaftsteuer abschaffen Steuerentlastung, besonders hohe absolute Entlastungen bei höheren Einkommen Wie werden die Einnahmeausfälle finanziert?
Migration Mehr Zurückweisungen, Abschiebungen und strengere Einbürgerung Deutlich restriktiveres Aufenthalts- und Asylrecht Was ist mit EU- und Verfassungsrecht vereinbar?
Bürgergeld Strengere Regeln und gemeinnützige Arbeit nach längerem Bezug Mehr Pflichten und Einschränkungen für Leistungsbezieher Wo liegen die Grenzen durch das Existenzminimum?
Familie Familiensplitting, Betreuungsgehalt, Kinder- und Familienentlastungen Stärkere Förderung traditioneller Familienmodelle Wie hoch sind Kosten und Erwerbsanreize?
Rente Renten erhöhen, mehr Beitragszahler, flexibler Renteneintritt Mehr Leistungen für bestimmte Rentnergruppen Wie passt das zu Steuersenkungen und Schuldenbremse?
Klima CO₂-Abgaben abschaffen, Pariser Klimaabkommen verlassen Grundlegender Bruch mit bisheriger deutscher Klimapolitik Folgen für EU-Verpflichtungen, Investitionen und Emissionen
Energie Kernenergie zurück, Kohle länger nutzen, Nord Stream reparieren Stärker fossile und nukleare Energiepolitik Kosten, Zeitbedarf und geopolitische Abhängigkeiten
Euro Deutschland soll aus dem Euro-System austreten Neue nationale Währung oder paralleles System Rechtliche und wirtschaftliche Folgen
EU Umbau zu einem „Bund europäischer Nationen“ Deutlich weniger Kompetenzen auf EU-Ebene Andere Mitgliedstaaten müssten zustimmen
Außenpolitik Russland-Sanktionen aufheben, Nord Stream instand setzen Grundlegender Wechsel der deutschen Russlandpolitik Auswirkungen auf EU, NATO und Ukrainepolitik
Gesellschaft Selbstbestimmungsgesetz zurücknehmen, Genderpolitik zurückfahren Konservativerer gesellschaftspolitischer Kurs Auswirkungen auf Betroffene und bestehende Rechte

💶 Steuern: Wer würde profitieren – und wer bezahlt die Rechnung?

Steuerpolitisch verspricht die AfD umfangreiche Entlastungen. Der einkommensteuerliche Grundfreibetrag soll auf 15.000 Euro steigen. Gleichzeitig sollen weitere Tarifgrenzen verschoben, der Solidaritätszuschlag vollständig gestrichen sowie die Erbschaft- und Grundsteuer abgeschafft werden.

Für Selbstnutzer von Immobilien soll zudem die Grunderwerbsteuer wegfallen. Auch Unternehmenssteuern sollen sinken.

Hohe Einkommen würden besonders stark profitieren

Hier liefert eine Berechnung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung einen wichtigen Realitätscheck. Das ZEW hat zentrale Steuer- und Transferforderungen der Parteien zur Bundestagswahl 2025 modelliert.

Bei einem Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen von 180.000 Euro ergab die Simulation für die AfD-Vorschläge ein finanzielles Plus von rund 19.190 Euro pro Jahr. Bei niedrigeren Einkommen fallen die Vorteile deutlich geringer aus. Für einen modellierten Haushalt mit 40.000 Euro Jahreseinkommen ergab sich aufgrund von Wechselwirkungen mit dem Wohngeld zunächst sogar eine Verschlechterung von 440 Euro – wobei das ZEW selbst darauf hinweist, dass solche unbeabsichtigten Effekte bei einer realen Gesetzgebung wahrscheinlich korrigiert würden.

💡 Faktencheck: Die Behauptung „Nur Reiche würden von den AfD-Steuerplänen profitieren“ wäre zu pauschal. Richtig ist aber: Nach der ZEW-Modellrechnung steigen die absoluten Vorteile deutlich mit dem Einkommen. Hohe Einkommen gehören damit zu den besonders stark Begünstigten.

Rund 97 Milliarden Euro weniger Einnahmen – laut ZEW-Modell

Die zweite Seite der Rechnung ist erheblich. Für die vom ZEW untersuchten AfD-Maßnahmen ergibt sich ein Rückgang staatlicher Einnahmen von rund 97 Milliarden Euro pro Jahr. Nicht berücksichtigt sind dabei mögliche Wachstums-, Beschäftigungs- oder andere Zweitrundeneffekte.

Steuersenkungen können Investitionen, Konsum und wirtschaftliche Aktivität fördern. Ob dadurch Einnahmeausfälle in dieser Größenordnung ausgeglichen würden, ist jedoch nicht belegt.

Genau an diesem Punkt entsteht eine zentrale Spannung des AfD-Programms: Neben erheblichen Steuersenkungen werden zusätzliche Leistungen für Familien, Rentner und Pflege versprochen, während die Schuldenbremse beibehalten werden soll.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt diese Kombination ebenfalls als finanzpolitische Herausforderung: Einnahmen sollen deutlich sinken, während mehrere Sozialleistungen steigen sollen. Wie groß die tatsächlich möglichen Einsparungen etwa bei Klima-, EU- oder Migrationsausgaben wären, bleibt offen.

Wie stark politische Steuerentscheidungen unmittelbar im Alltag ankommen können, zeigt auch unser herLifestyle-Beitrag über die geplante Zuckersteuer und ihre möglichen Auswirkungen auf Verbraucherpreise.

Steuern und Finanzen: Steuersenkungen können Haushalte entlasten – doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wie milliardenschwere Einnahmeausfälle gegenfinanziert werden sollen. (KI-generiert)
Steuern und Finanzen: Steuersenkungen können Haushalte entlasten – doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wie milliardenschwere Einnahmeausfälle gegenfinanziert werden sollen. (KI-generiert)

🛂 Migration und „Remigration“: Was tatsächlich im Programm steht

Beim Thema Migration ist die Programmatik besonders weitreichend. Die AfD bezeichnet ihren Maßnahmenkatalog zur Rückführungspolitik im Bundestagswahlprogramm ausdrücklich als „Remigration“.

Genannt werden unter anderem:

  • konsequentere Abschiebungen vollziehbar ausreisepflichtiger Personen,
  • Widerrufsverfahren, wenn ein Schutzgrund nach Auffassung der Behörden entfallen ist,
  • erleichterte Ausweisungen ausländischer Straftäter,
  • mehr Anreize für freiwillige Rückkehr,
  • strengere Grenzkontrollen und Zurückweisungen,
  • deutlich strengere Einbürgerungsregeln,
  • eine weitgehende Begrenzung mehrfacher Staatsangehörigkeiten.

Will die AfD „alle Ausländer abschieben“?

Nein – so steht es nicht im offiziellen Bundestagswahlprogramm. Das Programm unterscheidet zwischen Ausreisepflichtigen, Schutzberechtigten, bereits Eingebürgerten und qualifizierten Arbeitsmigranten.

Allerdings wäre es ebenfalls falsch, die Tragweite der Forderungen kleinzureden. Einbürgerung soll deutlich schwieriger werden, Aufenthaltsmöglichkeiten sollen stärker eingeschränkt und Rückführungen erheblich ausgeweitet werden. Die AfD will bei Einbürgerungen weitgehend zu einem Rechtszustand zurückkehren, wie er nach ihrer Darstellung vor 1990 bestand, und Einbürgerungen selbst bei sehr guter Integration frühestens nach zehn Jahren ermöglichen.

🔎 Besonders wichtig: Forderungen nach einer „Remigration“ deutscher Staatsangehöriger mit Migrationshintergrund stehen nicht als solche im offiziellen Bundestagswahlprogramm. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist jedoch darauf hin, dass entsprechende Vorstellungen anhand öffentlicher Aussagen wichtiger Funktionsträger der Partei dokumentiert werden können. Genau deshalb ist es wichtig, Parteiprogramm und Äußerungen einzelner Politiker getrennt zu betrachten.

Was würde beim Bürgergeld passieren?

Auch hier würde der Kurs erheblich strenger. Erwerbsfähige Grundsicherungsbezieher sollen nach sechs Monaten Leistungsbezug zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden können.

Für ausländische Staatsangehörige sieht das Programm noch deutlich strengere Bedingungen vor: Für einen Bürgergeldanspruch sollen mindestens zehn Jahre sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit ohne aufstockende Sozialleistungen notwendig sein. Anschließend soll der Bezug auf ein Jahr begrenzt werden. Ukrainische Kriegsflüchtlinge sollen aus dem Bürgergeld herausgenommen und leistungsrechtlich Asylbewerbern gleichgestellt werden.

Kann man Sozialleistungen beliebig kürzen?

Nein. Das Bundesverfassungsgericht hat klargestellt, dass aus Menschenwürde und Sozialstaatsprinzip ein Anspruch auf Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums folgt.

Der Gesetzgeber darf Leistungen an Mitwirkungspflichten knüpfen und Bedürftige zur Mitwirkung bei der Überwindung ihrer Hilfebedürftigkeit verpflichten. Solche Regeln müssen aber geeignet, erforderlich und zumutbar sein.

👩‍💼 Arbeitsmarkt und Fachkräfte: Eine der größten offenen Rechnungen

Bei diesem Punkt wird der Faktencheck besonders interessant, denn das AfD-Programm ist differenzierter, als es die allgemeine Migrationsdebatte manchmal vermuten lässt.

Die Partei erklärt ausdrücklich, die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte grundsätzlich zu begrüßen. Für außereuropäische Fachkräfte soll ein Punktesystem mit Kriterien wie Berufserfahrung, Arbeitsvertrag und Sprachkenntnissen eingeführt werden. Gleichzeitig sollen zunächst heimische Arbeitskräftepotenziale ausgeschöpft und Zuwanderung anschließend nach Branchen und Quoten begrenzt werden.

Das Problem: Deutschland ist bereits stark auf Zuwanderung angewiesen

Die Bundesagentur für Arbeit meldete 2026, dass Zuwanderung für den deutschen Arbeitsmarkt weiter an Bedeutung gewinnt. Besonders in Engpassberufen gleichen ausländische Beschäftigte den Rückgang deutscher Arbeitskräfte teilweise aus.

Das ist keine abstrakte Frage. Deutschland altert. Viele Beschäftigte gehen in den kommenden Jahren in Rente, während weniger junge Menschen nachrücken.

Eine stärker begrenzte Erwerbsmigration könnte deshalb nur dann ohne zusätzliche Engpässe funktionieren, wenn das von der AfD versprochene stärkere Ausschöpfen inländischer Potenziale tatsächlich in großem Umfang gelingt.

Besonders sichtbar wird das in der Pflege

2025 arbeiteten rund 1,8 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig in Pflegeberufen. Rund 20 Prozent hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Seit 2022 wurde das Beschäftigungswachstum in der Pflege nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ausschließlich durch ausländische Beschäftigte getragen.

Das bedeutet nicht, dass eine restriktivere Asylpolitik automatisch weniger Pflegekräfte zur Folge hätte – Asylmigration und Arbeitsmigration sind unterschiedliche Systeme. Es zeigt aber, wie entscheidend ein funktionierender Zugang qualifizierter ausländischer Fachkräfte für Deutschland inzwischen geworden ist.

Frauen und Familie: Mehr finanzielle Unterstützung für Familien trifft auf ein traditionelleres Familienbild – mit möglichen Folgen für Erwerbsarbeit, Karriere und Altersvorsorge von Frauen. (KI-generiert)
Frauen und Familie: Mehr finanzielle Unterstützung für Familien trifft auf ein traditionelleres Familienbild – mit möglichen Folgen für Erwerbsarbeit, Karriere und Altersvorsorge von Frauen. (KI-generiert)

👩 Frauen und Familien: Mehr Geld, aber auch ein anderes gesellschaftliches Leitbild

Für herLifestyle ist dieser Abschnitt besonders relevant. Die AfD verspricht Familien erhebliche finanzielle Unterstützung. Gleichzeitig verfolgt das Programm ein klar traditionelleres Verständnis von Familie, Geschlechterrollen und staatlicher Gleichstellungspolitik.

Das Programm bezeichnet die Familie ausdrücklich als gesellschaftlichen Kern und formuliert das Ziel, dass Familien idealerweise von einem Einkommen leben können sollen.

Diese finanziellen Leistungen sind geplant

  • Bei der Geburt jedes Kindes sollen 20.000 Euro an Rentenbeiträgen zurückgezahlt beziehungsweise künftige Beiträge entsprechend erlassen werden.
  • Ein Betreuungsgehalt bis zum dritten Geburtstag soll ungefähr dem durchschnittlichen Nettolohn vor der Geburt des ersten Kindes entsprechen.
  • Das Ehegattensplitting soll zu einem Familiensplitting erweitert werden.
  • Der Kinderfreibetrag soll steigen.
  • Kinderbedarf soll mit sieben Prozent Mehrwertsteuer besteuert werden.
  • Junge Paare sollen einen „Ehe-Start-Kredit“ erhalten können, von dem mit jedem Kind ein Teil erlassen wird.

Das wären für viele Familien erhebliche finanzielle Vorteile. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach Kosten und Erwerbsanreizen.

Was könnte das Betreuungsgehalt für Frauen bedeuten?

Ein hohes Betreuungsgehalt kann Eltern echte finanzielle Möglichkeiten geben, länger selbst für ihr Kind zu sorgen. In der Praxis übernehmen jedoch noch immer überwiegend Frauen längere Phasen der Kinderbetreuung und unbezahlten Care-Arbeit.

Wenn finanzielle Anreize dazu führen, dass ein Elternteil über mehrere Jahre aus dem Arbeitsmarkt ausscheidet, können sich daraus langfristige Folgen für Karriere, Gehaltsentwicklung und Altersvorsorge ergeben. Für Frauen ist diese Frage besonders relevant, weil bestehende Unterschiede bei Einkommen und Care-Arbeit bereits heute groß sind.

Wer sich mit diesen strukturellen Fragen beschäftigen möchte, findet bei herLifestyle auch unseren Beitrag „Weltfrauentag 2026: Gleichberechtigung ist kein Geschenk“.

Familiensplitting: Entlastung mit möglichen Nebenwirkungen

Nach dem AfD-Modell sollen die Einkünfte einer Familie rechnerisch durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt werden. Familien mit Kindern würden dadurch steuerlich entlastet.

Steuerliche Splittingmodelle können jedoch Erwerbsanreize beeinflussen. Die OECD weist für Deutschland bereits beim heutigen System der gemeinsamen Ehegattenbesteuerung darauf hin, dass hohe effektive Belastungen für Zweitverdiener entstehen können. Da diese Position häufig von Frauen eingenommen wird, kann dies deren Erwerbsbeteiligung bremsen.

Wie stark genau das von der AfD vorgeschlagene Familiensplitting diesen Effekt verändern würde, hängt von der konkreten gesetzlichen Ausgestaltung ab.

Will die AfD Schwangerschaftsabbrüche verbieten?

Ein vollständiges Verbot fordert das Bundestagswahlprogramm 2025 nicht. Die Partei bezeichnet die bestehenden Regelungen der Paragrafen 218 ff. StGB grundsätzlich als ausgewogen.

Sie will die Rahmenbedingungen allerdings deutlich verändern. Während der Schwangerschaftskonfliktberatung sollen Frauen Ultraschallaufnahmen gezeigt werden. Die Möglichkeit von Ärzten, Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen abzulehnen, soll erhalten bleiben. Zudem sollen Organisationen, die Schwangerschaftsabbrüche nach Auffassung der Partei fördern oder verharmlosen, keine staatliche Förderung erhalten.

♀️ Faktencheck: „Die AfD will Abtreibungen vollständig verbieten“ gibt das aktuelle Bundestagswahlprogramm nicht korrekt wieder. Richtig ist jedoch, dass die Partei Schwangerschaftsabbrüche gesellschaftlich und beratungsrechtlich deutlich restriktiver behandeln möchte und das ungeborene Leben stärker in den Mittelpunkt stellt.

Gleichstellungspolitik würde deutlich zurückgefahren

Die AfD lehnt Geschlechterquoten und zentrale Elemente heutiger Genderpolitik ab. Das Selbstbestimmungsgesetz soll zurückgenommen werden. Pubertätsblocker und bestimmte medizinische Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung Minderjähriger möchte die Partei stark einschränken beziehungsweise verbieten.

Damit wäre der gesellschaftspolitische Kurswechsel mindestens genauso relevant wie die finanziellen Familienleistungen: Staatliche Politik würde sich deutlich stärker an einem traditionellen Verständnis von Geschlecht und Familie orientieren.

Migration und Arbeitsmarkt: Deutschland ist in vielen Branchen auf internationale Fachkräfte angewiesen – besonders deutlich zeigt sich das im Gesundheits- und Pflegebereich. (KI-generiert)
Migration und Arbeitsmarkt: Deutschland ist in vielen Branchen auf internationale Fachkräfte angewiesen – besonders deutlich zeigt sich das im Gesundheits- und Pflegebereich. (KI-generiert)

🩺 Gesundheit und Pflege: Was sich verändern könnte

Im Gesundheitssystem setzt die AfD auf mehr Eigenverantwortung, weniger Bürokratie, mehr ambulante Versorgung und eine stärkere Förderung häuslicher Pflege.

Kranken- und Pflegeversicherung sollen organisatorisch stärker zusammengeführt werden, um Verwaltungskosten zu senken. Angehörige, die Pflege zu Hause übernehmen, sollen finanziell stärker unterstützt werden.

Gerade für Frauen wäre das relevant: Pflege von Angehörigen wird in Deutschland noch immer überdurchschnittlich häufig von Frauen übernommen. Eine bessere finanzielle Anerkennung kann helfen. Gleichzeitig kann eine stärkere Verlagerung von Pflege in Familien dazu führen, dass mehr professionelle Pflegearbeit privat aufgefangen werden muss.

WHO-Austritt: Hier ist das Wahlprogramm inzwischen teilweise überholt

Besonders auffällig ist die Forderung, Deutschland solle aus der Weltgesundheitsorganisation austreten, falls diese nicht grundlegend reformiert werde.

Im Bundestagswahlprogramm wird dies unter anderem mit der Befürchtung begründet, der geplante WHO-Pandemievertrag könne der WHO weitreichende Befugnisse gegenüber Nationalstaaten geben – bis hin zu Eingriffen in persönliche Freiheit oder medizinische Entscheidungen.

Diese Darstellung muss aus heutiger Sicht korrigiert werden. Der 2025 verabschiedete WHO-Pandemievertrag stellt ausdrücklich klar, dass die WHO weder nationale Gesetze ändern noch Staaten zu Lockdowns, Impfpflichten oder medizinischen Maßnahmen verpflichten darf. Auch bei den überarbeiteten Internationalen Gesundheitsvorschriften verbleibt die Umsetzung bei den Staaten.

🩺 Faktencheck: Die im AfD-Wahlprogramm formulierte Befürchtung, die WHO könne über den Pandemievertrag eigenständig Lockdowns oder Impfpflichten in Deutschland anordnen, entspricht nicht dem inzwischen verabschiedeten Vertragstext. Solche Entscheidungen bleiben bei den souveränen Staaten.

👵 Rente: Höhere Leistungen treffen auf Finanzierungsfragen

Bei der Rente verspricht die AfD keineswegs einen schlankeren Sozialstaat. Vielmehr sollen Renten langfristig deutlich steigen.

Das Programm fordert unter anderem:

  • eine „signifikante“ Erhöhung der Renten,
  • mehr Staatsbedienstete und Politiker als Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • einen abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 beitragsberechtigten Arbeitsjahren,
  • mehr Anerkennung von Elternschaft,
  • keine Anrechnung bestimmter Zuverdienste auf Hinterbliebenenrenten,
  • eine stärkere steuerliche Förderung privater Altersvorsorge mit Aktien, ETFs und Fonds.

Die 70-Prozent-Zahl braucht Kontext

Das AfD-Programm nennt als langfristiges Ziel ein Rentenniveau von gut 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens und verweist dabei auf andere westeuropäische Länder.

Diese Zahl darf allerdings nicht direkt mit dem in Deutschland üblichen gesetzlichen Rentenniveau verglichen werden. Die Berechnungsmethoden unterscheiden sich. Aus „Deutschland hat 48 oder 50 Prozent, andere Länder 70 Prozent“ lässt sich deshalb nicht unmittelbar ableiten, dass deutsche Renten einfach um 20 Prozentpunkte erhöht werden könnten.

Und wieder stellt sich die Finanzierungsfrage

Mehr Beitragszahler können das Rentensystem stabilisieren. Auch eine stärkere Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuern kann die Rentenkasse entlasten. Doch dadurch verschwinden die Kosten nicht – sie werden teilweise vom Beitrags- in den Bundeshaushalt verschoben.

Wenn gleichzeitig Steuereinnahmen deutlich sinken sollen, entsteht ein Zielkonflikt.

Unabhängig davon, welche Partei regiert, lohnt sich deshalb ein Blick auf die eigene Vorsorge. Bei herLifestyle findest du dazu 25 Möglichkeiten, deine spätere Rente zu erhöhen sowie unseren Einstieg in den ETF-Sparplan für Frauen.

🏠 Wohnen: Entlastung für Eigentümer, weniger Regulierung für Mieter

Bei Immobilien verfolgt die AfD einen klar eigentumsorientierten Ansatz.

Die Grundsteuer soll vollständig abgeschafft werden. Kommunen sollen dafür Zuschläge auf Einkommen- und Körperschaftsteuer erhalten. Für selbstgenutztes Wohneigentum soll zudem die Grunderwerbsteuer entfallen.

Wer ein Eigenheim kauft oder besitzt, könnte dadurch deutlich entlastet werden.

Für Mieter ist die Bilanz weniger eindeutig

Auch Mieter könnten von einer abgeschafften Grundsteuer profitieren, weil diese heute als Betriebskostenbestandteil umgelegt werden kann.

Gleichzeitig lehnt die AfD Mietpreisbremse und Mietendeckel ausdrücklich ab. Sie betrachtet beide als Investitionshemmnisse.

Für Wohnungssuchende in angespannten Märkten würde damit ein Teil des staatlichen Mieterschutzes entfallen. Ob zusätzliche Investitionen langfristig ausreichend neuen Wohnraum schaffen und dadurch Preise sinken, hängt von zahlreichen Faktoren ab – darunter Baukosten, Zinsen, Bauland, Genehmigungen und Nachfrage.

🏠 Kurz gesagt: Eigentümer und Käufer selbstgenutzter Immobilien gehören bei den AfD-Plänen zu den klarer begünstigten Gruppen. Für Mieter stehen möglichen Nebenkostenentlastungen weniger regulatorische Schutzmechanismen gegenüber.

⚡ Klima und Energie: Der wissenschaftlich umstrittene Kern des Programms

Kaum ein Politikfeld würde sich so grundlegend verändern wie die Klimapolitik.

Die AfD will sämtliche CO₂-Abgaben abschaffen, den Kohleausstieg zurückdrehen, den Ausbau der Windenergie begrenzen, wieder in die Kernenergie einsteigen und aus dem Pariser Klimaabkommen austreten.

Im Programm heißt es außerdem sinngemäß, der Mensch könne das Klima nicht schützen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die AfD-Programmatik dahingehend, dass die Partei den menschengemachten Klimawandel grundsätzlich bezweifelt beziehungsweise dessen politische Relevanz zurückweist.

Hier widerspricht der wissenschaftliche Stand der Programmatik

Der Weltklimarat IPCC bewertet den menschlichen Einfluss auf die Erwärmung von Atmosphäre, Ozeanen und Land als eindeutig nachgewiesen. Auch die Zunahme zahlreicher Klimaextreme wird inzwischen mit menschlich verursachtem Klimawandel in Verbindung gebracht.

🌍 Faktencheck: Die Frage, ob politische Klimaschutzmaßnahmen effizient oder wirtschaftlich sinnvoll ausgestaltet sind, kann politisch diskutiert werden. Dass menschliche Treibhausgasemissionen die globale Erwärmung verursachen, ist dagegen keine offene politische Meinungsfrage, sondern wissenschaftlich sehr gut belegt.

Würde Energie unter der AfD automatisch billiger?

Nicht automatisch. Die Abschaffung von CO₂-Abgaben und niedrigere Energiesteuern könnten bestimmte Kosten unmittelbar senken. Gleichzeitig werden Energiepreise durch Weltmarktpreise, Stromerzeugung, Netze, Infrastruktur, Steuern und Investitionskosten bestimmt.

Auch Kernkraftwerke lassen sich nicht kurzfristig per Regierungsbeschluss zurückholen. Stillgelegte Anlagen müssten technisch bewertet, genehmigt und personell betrieben werden. Neue Reaktoren benötigen lange Planungs- und Bauzeiten.

Hinzu kommt die außenpolitische Dimension: Ein Teil der AfD-Energiestrategie setzt ausdrücklich auf die Reparatur und Wiederinbetriebnahme von Nord Stream sowie engere Energiebeziehungen zu Russland.

 Europa und Euro: Die AfD fordert einen Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Welche Folgen das für Konten, Kredite, Preise und Ersparnisse hätte, ist komplex. (KI-generiert)
Europa und Euro: Die AfD fordert einen Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Welche Folgen das für Konten, Kredite, Preise und Ersparnisse hätte, ist komplex. (KI-generiert)

🇪🇺 EU und Euro: Hier wäre der Systemwechsel besonders groß

Bei kaum einer Forderung ist das Bundestagswahlprogramm so eindeutig wie beim Euro: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten“, lautet eine eigene Kapitelüberschrift.

Die AfD möchte wieder eine nationale Währung einführen, gegebenenfalls bei paralleler Beibehaltung des Euro oder einer europäischen Verrechnungseinheit. Das Programm räumt selbst ein, dass eine solche Umstellung Belastungen verursachen würde.

Es gibt keinen fertigen rechtlichen Weg für einen reinen Euro-Austritt

Ein EU-Austritt ist in Artikel 50 des EU-Vertrags geregelt. Für den Fall, dass ein Staat ausschließlich die gemeinsame Währung verlassen, gleichzeitig aber vollwertiges EU-Mitglied bleiben möchte, existiert dagegen kein vergleichbares reguläres Austrittsverfahren.

Ein deutscher Euro-Austritt würde daher umfangreiche politische und rechtliche Verhandlungen erfordern.

Was würde mit Konten, Gehältern und Krediten passieren?

Das lässt sich heute nicht seriös auf einen festen Wechselkurs herunterbrechen. Ein Währungswechsel müsste regeln, welche Konten, Gehälter, Renten, Verträge und Kredite zu welchem Kurs umgestellt werden.

Danach würde sich der Wert einer neuen Währung an den Finanzmärkten entwickeln. Eine Aufwertung könnte Importe verbilligen, zugleich aber deutsche Exporte verteuern. Eine Abwertung hätte den gegenteiligen Effekt.

Deshalb wären Sätze wie „Die D-Mark würde uns sofort reicher machen“ oder „alle Ersparnisse wären automatisch weg“ gleichermaßen unseriös.

Will die AfD Deutschland aus der EU führen?

Im Bundestagswahlprogramm 2025 wird kein unmittelbarer deutscher EU-Austritt als erster Schritt formuliert. Stattdessen soll die heutige EU zu einem neuen „Bund europäischer Nationen“ umgebaut werden. Viele Kompetenzen sollen wieder bei den Nationalstaaten liegen.

Das wäre dennoch keine kleine Reform. Ein solcher Umbau würde zentrale Strukturen der heutigen Europäischen Union verändern und könnte von Deutschland nicht allein beschlossen werden.

🇪🇺 Faktencheck: „Die AfD fordert aktuell einfach den sofortigen Dexit“ greift zu kurz. Das Programm 2025 fordert den grundlegenden Umbau der EU. Beim Euro ist die Position dagegen unmissverständlich: Deutschland soll das Euro-System verlassen.

Was wäre wirtschaftlich gefährlich?

Deutschland ist stark in den europäischen Binnenmarkt eingebunden. Deshalb warnen Ökonomen vor erheblichen Kosten, wenn aus einer grundlegenden Neuordnung letztlich ein Bruch mit dem Binnenmarkt oder ein EU-Austritt entstehen würde.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ein hypothetisches Dexit-Szenario nach dem Vorbild des Brexit modelliert. Das Ergebnis: Nach fünf Jahren könnte das reale Bruttoinlandsprodukt 5,6 Prozent niedriger liegen; über fünf Jahre summierten sich die modellierten Wertschöpfungsverluste auf rund 690 Milliarden Euro. Im fünften Jahr könnten rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze fehlen.

Wichtig: Diese Berechnung ist kein Szenario für das konkrete AfD-Bundestagswahlprogramm 2025, sondern eine Modellrechnung für einen vollständigen EU-Austritt. Die ökonomischen Folgen eines zusätzlichen Euro-Austritts wurden darin sogar ausdrücklich nicht berücksichtigt.

Wie sehr europäische Entscheidungen schon heute deinen Alltag beeinflussen, zeigt auch unser herLifestyle-Artikel über die Auswirkungen von EU-Importkosten auf Verbraucherinnen.

🌍 Russland, Ukraine und NATO: Außenpolitischer Kurswechsel

Eine AfD-geführte Außenpolitik würde sich deutlich von der bisherigen deutschen Linie unterscheiden.

Das Programm fordert die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die Instandsetzung der Nord-Stream-Leitungen. Die Beziehungen zur Eurasischen Wirtschaftsunion sollen ausgebaut werden.

Die Ukraine soll außerhalb von NATO und EU bleiben

Die AfD beschreibt die Zukunft der Ukraine als die eines neutralen Staates außerhalb von NATO und EU. Eine weitere Osterweiterung von EU und NATO lehnt die Partei ab.

Das wäre ein erheblicher Bruch mit der aktuellen deutschen Position, nach der souveräne Staaten grundsätzlich selbst über ihre Bündnisse entscheiden können und Deutschland die Ukraine politisch, finanziell und militärisch unterstützt.

Will die AfD Deutschland aus der NATO führen?

Das Bundestagswahlprogramm fordert derzeit keinen sofortigen NATO-Austritt. Die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands soll zunächst bestehen bleiben.

Langfristig strebt die Partei allerdings ein unabhängiges europäisches Militärbündnis an. Bis dieses existiert, bezeichnet sie die NATO-Mitgliedschaft als zentrales Element der deutschen Sicherheitsstrategie.

Gleichzeitig fordert die AfD die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht einschließlich Ersatzdienst.

🌍 Realitätscheck: Die außenpolitische Veränderung läge weniger in einem unmittelbaren NATO-Austritt als in Deutschlands Verhältnis zu Russland, der Ukraine und westlicher Sanktionspolitik. Eine Umsetzung würde Deutschlands Position innerhalb von EU und NATO erheblich verändern.

🎓 Bildung und Gesellschaft: Was Schulen und Familien merken würden

Auch die Bildungspolitik würde konservativer und stärker leistungsorientiert ausgerichtet.

Die AfD fordert unter anderem ein mehrgliedriges Schulsystem, eine stärkere berufliche Bildung, mehr Disziplinarrechte für Schulen, überwiegend digitalfreie erste vier Schuljahre und mehr wirtschaftliche sowie finanzielle Bildung.

Gleichzeitig sollen Gender-Mainstreaming und von der Partei als ideologisch bewertete Inhalte aus Kitas und Schulen zurückgedrängt werden.

Inklusion würde teilweise zurückgedreht

Förderschulen sollen nach dem Programm für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf wieder stärker zum Regelfall werden. Damit würde sich der Ansatz von der heute vielerorts angestrebten gemeinsamen Beschulung stärker in Richtung getrennter Bildungsangebote verschieben.

Auch Kultur- und Medienpolitik würde sich ändern

Die Partei will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutlich verkleinern und auf eine gebührenfreie Grundversorgung reduzieren. Bei Kulturförderung sollen Vorgaben, die sich auf Themen wie Gender oder Klimaschutz beziehen, zurückgenommen werden.

Auch hier geht es also nicht nur um einzelne Ausgabenposten, sondern um einen grundlegend anderen Blick darauf, welche gesellschaftspolitischen Aufgaben der Staat übernehmen soll.

Energie und Klima: Windkraft, Stromnetze und konventionelle Kraftwerke stehen für einen Bereich, in dem die AfD einen grundlegenden politischen Kurswechsel anstrebt. (KI-generiert)
Energie und Klima: Windkraft, Stromnetze und konventionelle Kraftwerke stehen für einen Bereich, in dem die AfD einen grundlegenden politischen Kurswechsel anstrebt. (KI-generiert)

⚖️ Was könnte eine AfD-Regierung tatsächlich durchsetzen?

Selbst ein sehr gutes Wahlergebnis bedeutet nicht, dass eine Partei ihr Wahlprogramm Punkt für Punkt umsetzen kann.

Mit einer Bundestagsmehrheit ließe sich viel ändern

Mit einer stabilen Regierungsmehrheit könnten zahlreiche normale Bundesgesetze geändert werden. Das beträfe beispielsweise Steuerrecht, Teile des Bürgergelds, Förderprogramme oder bestimmte gesellschaftspolitische Gesetze.

Bei anderen Gesetzen spielt der Bundesrat eine entscheidende Rolle. Dort bestimmen die Mehrheitsverhältnisse in den Ländern, ob zustimmungspflichtige Gesetze passieren.

Für Verfassungsänderungen braucht es deutlich mehr

Eine Änderung des Grundgesetzes benötigt grundsätzlich eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat.

Bestimmte Grundlagen sind durch die sogenannte Ewigkeitsklausel sogar einer Verfassungsänderung entzogen. Dazu gehören insbesondere die Menschenwürde und zentrale Strukturprinzipien des demokratischen und sozialen Bundesstaates.

EU-Recht kann eine Bundesregierung nicht einfach abschalten

Deutschland ist durch europäische Verträge und gemeinsam beschlossene Regeln gebunden. Eine Bundesregierung kann deshalb nicht einseitig bestimmen, dass diese Regeln nicht mehr gelten, während Deutschland gleichzeitig unverändert Teil der bestehenden EU bleibt.

Das macht insbesondere einen Umbau der EU, den Euro-Austritt und Teile der Asylpolitik rechtlich und politisch komplex.

Gerichte bleiben eine Kontrollinstanz

Auch mit parlamentarischer Mehrheit bleiben Gesetze überprüfbar. Bundesverfassungsgericht, Verwaltungsgerichte und gegebenenfalls europäische Gerichte können Maßnahmen auf ihre Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht prüfen.

⚖️ Die wichtigste Erkenntnis: Eine AfD-Regierung könnte Deutschland politisch deutlich verändern. Sie könnte aber weder das Grundgesetz beliebig umschreiben noch EU-Verträge allein verändern oder Grundrechte durch einfachen Regierungsbeschluss außer Kraft setzen.

👀 Was bedeutet das konkret für deinen Alltag?

Politische Programme bleiben schnell abstrakt. Deshalb lohnt sich die Frage: Wer würde welche Veränderungen tatsächlich spüren?

Eine Familie mit zwei Kindern

Sie könnte von Familiensplitting, höherem Kinderfreibetrag, geringerer Mehrwertsteuer auf Kinderbedarf und möglicherweise einem Betreuungsgehalt profitieren.

Gleichzeitig könnte ein Modell, das längere Betreuung zu Hause stark finanziell fördert, Einfluss darauf haben, welcher Elternteil arbeitet. Bei ungleicher Aufgabenverteilung könnten insbesondere Frauen langfristig Karriere- und Rentennachteile erleben.

Eine Gutverdienerin

Sie gehört nach den verfügbaren ZEW-Modellrechnungen zu den Gruppen, die von den Steuerplänen besonders stark profitieren könnten.

Gleichzeitig hängen ihr Arbeitsplatz und ihre Geldanlage möglicherweise von einem stabilen europäischen Binnenmarkt, internationalen Unternehmen oder dem Euro ab. Dann wären die weitreichenden europa- und währungspolitischen Veränderungen möglicherweise deutlich relevanter als ihre kurzfristige Steuerentlastung.

Eine Alleinerziehende

Für sie ist das Bild weniger eindeutig. Familienleistungen könnten Vorteile bringen, klassische Splittingmodelle entfalten ihre größten Effekte jedoch häufig dort, wo Einkommen innerhalb eines Haushalts steuerlich gemeinsam betrachtet werden können.

Ob Alleinerziehende im Verhältnis zu verheirateten Familien stärker oder schwächer profitieren würden, hängt deshalb von der konkreten Ausgestaltung der geplanten Familienförderung ab.

Eine Mieterin in einer Großstadt

Eine abgeschaffte Grundsteuer könnte ihre Nebenkosten reduzieren. Gleichzeitig würde mit der von der AfD abgelehnten Mietpreisbremse ein Instrument zur Begrenzung bestimmter Neuvermietungsmieten wegfallen.

Ob sie insgesamt profitiert, hängt damit stark vom jeweiligen Wohnungsmarkt ab.

Eine Pflegekraft

Mehr Geld für häusliche Pflege und weniger Bürokratie können attraktiv klingen. Gleichzeitig ist die Personalfrage entscheidend. Wenn qualifizierte Zuwanderung stärker begrenzt wird, muss die Politik glaubhaft zeigen, wie genügend inländische Pflegekräfte zurückgewonnen beziehungsweise zusätzlich ausgebildet werden sollen.

Eine Rentnerin

Höhere Renten und zusätzliche Steuerfreibeträge könnten ihre finanzielle Situation verbessern. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob diese Leistungen bei gleichzeitig niedrigeren Steuereinnahmen langfristig finanziert werden können.

Eine Frau ohne deutschen Pass

Für sie könnten die Veränderungen besonders deutlich sein. Einbürgerung würde schwieriger, bestimmte Sozialleistungen wären stärker eingeschränkt und Aufenthaltsregeln könnten strenger werden.

Auch für Menschen, die längst legal in Deutschland leben, wäre der politische Kurswechsel deshalb unmittelbar spürbar.

Steuern und Finanzen: Was bleibt am Ende wirklich im Portemonnaie? Die AfD verspricht umfangreiche Steuerentlastungen – doch mögliche Vorteile hängen stark von Einkommen, Lebenssituation und der Gegenfinanzierung ab. (KI-generiert)
Steuern und Finanzen: Was bleibt am Ende wirklich im Portemonnaie? Die AfD verspricht umfangreiche Steuerentlastungen – doch mögliche Vorteile hängen stark von Einkommen, Lebenssituation und der Gegenfinanzierung ab. (KI-generiert)

🧾 Acht häufige Aussagen über die AfD im Faktencheck

Behauptung Faktencheck
„Die AfD will alle Ausländer abschieben.“ So pauschal falsch. Das Programm unterscheidet nach Aufenthaltsstatus und begrüßt ausgewählte qualifizierte Fachkräfte. Rückführungen, Einbürgerungsregeln und Aufenthaltsrecht sollen aber erheblich verschärft werden.
„Die AfD will sofort aus der EU austreten.“ Zu verkürzt. Das Programm 2025 fordert zunächst einen grundlegenden Umbau der EU zu einem Bund europäischer Nationen.
„Die AfD will aus dem Euro.“ Richtig. Der deutsche Austritt aus dem Euro-System steht ausdrücklich im Wahlprogramm.
„Von den Steuerplänen profitieren nur Reiche.“ Zu pauschal. Auch andere Haushalte können profitieren. Nach ZEW-Modellrechnungen sind die absoluten Entlastungen hoher Einkommen allerdings besonders groß.
„Die AfD will Schwangerschaftsabbrüche komplett verbieten.“ So nicht im Bundestagswahlprogramm. Die bestehenden Paragrafen 218 ff. sollen grundsätzlich bestehen bleiben; Beratung und Rahmenbedingungen würden jedoch restriktiver ausgerichtet.
„Die AfD will Deutschland aus der NATO holen.“ Aktuell so nicht im Programm. Die NATO-Mitgliedschaft soll zunächst bleiben; langfristig strebt die Partei ein eigenständiges europäisches Militärbündnis an.
„Die WHO könnte Deutschland zu Lockdowns zwingen.“ Nach dem verabschiedeten Pandemievertrag falsch. Der Vertrag gibt der WHO keine Befugnis, Staaten zu Lockdowns oder Impfpflichten zu verpflichten.
„Eine AfD-Regierung könnte sofort alles aus ihrem Programm umsetzen.“ Falsch. Bundesrat, Grundgesetz, Gerichte, EU-Recht und internationale Verträge setzen erhebliche Grenzen.

🚨 Die fünf größten Zielkonflikte im AfD-Programm

1. Weniger Steuern – aber mehr Leistungen

Die AfD will Haushalte und Unternehmen stark entlasten, gleichzeitig Renten erhöhen und Familien umfangreich fördern. Das kann politisch gewollt sein – finanziert werden muss es trotzdem.

Die ZEW-Modellrechnung von rund 97 Milliarden Euro geringeren Einnahmen macht deutlich, wie groß diese Herausforderung sein könnte.

2. Weniger Migration – aber genügend Arbeitskräfte

Die Partei erlaubt ausdrücklich ausgewählte Fachkräftezuwanderung. Gleichzeitig möchte sie Zuwanderung deutlich stärker begrenzen und zunächst heimische Potenziale ausschöpfen.

Die Arbeitsmarktdaten zeigen jedoch, dass ausländische Beschäftigte bereits heute einen erheblichen Teil des Fachkräftemangels auffangen.

3. Familien finanziell stärken – ohne Frauen wirtschaftlich zurückzuwerfen

Betreuungsgehalt und Familiensplitting können Familien finanziell entlasten. Wenn daraus jedoch stärkere Anreize für jahrelange Erwerbsunterbrechungen entstehen, können besonders Frauen langfristig Einkommen und Rentenansprüche verlieren.

Finanzielle Selbstständigkeit ist deshalb ein wichtiger Gegenpol. Passend dazu findest du bei herLifestyle unseren ausführlichen Ratgeber Female Finance: So stärkst du deine finanzielle Unabhängigkeit.

4. Mehr nationale Souveränität – ohne wirtschaftliche Integration zu verlieren

Viele Unternehmen profitieren vom europäischen Binnenmarkt, gemeinsamen Regeln und der gemeinsamen Währung. Kompetenzen zurückzuholen kann nationalen Gestaltungsspielraum erweitern – gleichzeitig können neue Grenzen und unterschiedliche Regeln Transaktionskosten erhöhen.

Wie dieser Spagat funktionieren soll, ist eine der größten offenen Fragen der AfD-Europapolitik.

5. Schnell billigere Energie – obwohl der Umbau Zeit kostet

CO₂-Abgaben lassen sich politisch vergleichsweise schnell verändern. Neue Kernkraftwerke, reparierte Pipelines oder eine vollständig veränderte Energieinfrastruktur dagegen nicht.

Zwischen Wahlkampfforderung und tatsächlichem Strompreis können deshalb Jahre liegen.

📝 Fazit: Was würde die AfD wirklich ändern?

Wer das AfD-Programm tatsächlich liest, erkennt schnell: Es geht nicht um einige kleinere Korrekturen an bestehender Politik. In mehreren Bereichen würde eine konsequente Umsetzung einen grundlegenden politischen Richtungswechsel bedeuten.

Steuern würden stark sinken, insbesondere hohe Einkommen könnten deutlich profitieren. Familien sollen umfangreicher finanziell unterstützt werden. Eigentumsbildung und private Vorsorge würden stärker gefördert.

Gleichzeitig stehen diesen möglichen Entlastungen erhebliche offene Rechnungen gegenüber: Nach einer ZEW-Modellrechnung könnten zentrale AfD-Vorschläge die staatlichen Einnahmen um rund 97 Milliarden Euro pro Jahr reduzieren. Trotzdem sollen Renten und verschiedene Familienleistungen steigen.

In der Migrationspolitik würden Aufenthaltsrecht, Bürgergeldzugang, Einbürgerung und Abschiebepraxis deutlich restriktiver. Für Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit wäre dieser Kurswechsel unmittelbar relevant.

Für Frauen wäre die Bilanz besonders komplex: Familien könnten finanziell profitieren, gleichzeitig würde sich der Staat gesellschaftspolitisch deutlich stärker an traditionellen Familien- und Geschlechterbildern orientieren. Gleichstellungspolitik, Selbstbestimmungsrecht und Teile heutiger Genderpolitik würden zurückgedrängt.

Beim Klima würde die AfD einen fundamentalen Bruch mit der bisherigen Politik vollziehen – und dabei teilweise von Annahmen ausgehen, die dem Stand der Klimawissenschaft widersprechen.

Die wohl größten wirtschaftlichen und institutionellen Risiken lägen jedoch bei Euro und Europa. Der ausdrücklich geforderte Ausstieg aus dem Euro-System wäre ein historischer Einschnitt. Wie Konten, Verträge, Schulden, Handel und Wechselkurse danach reagieren würden, lässt sich nicht seriös mit einfachen Versprechen beantworten.

Hinzu käme außenpolitisch eine deutliche Annäherung an Russland, einschließlich der Forderung nach Aufhebung der Sanktionen und Wiederherstellung von Nord Stream.

Der wichtigste Realitätscheck lautet deshalb: Nicht jede AfD-Forderung wäre automatisch schlecht für jeden einzelnen Haushalt – aber die Summe der Forderungen würde Deutschland wirtschaftlich, gesellschaftlich und außenpolitisch wesentlich stärker verändern, als es einzelne Wahlkampfslogans erkennen lassen.

Wer beurteilen möchte, ob diese Politik überzeugt, sollte deshalb nicht nur fragen: „Was bekomme ich persönlich?“ Entscheidend sind mindestens drei weitere Fragen: Wer finanziert es? Welche Nebenwirkungen entstehen? Und lässt sich die Forderung überhaupt rechtlich und praktisch umsetzen?

Genau dort trennt sich Wahlkampf von Regierungspolitik.

📚 Quellen und Methodik

Grundlage dieses Faktenchecks sind insbesondere das von der AfD auf ihrem Bundesparteitag beschlossene Bundestagswahlprogramm 2025, parlamentarische Initiativen der AfD-Fraktion, Entscheidungen deutscher Gerichte und geltendes europäisches Recht.

Zur unabhängigen Einordnung wurden unter anderem Veröffentlichungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, der Bundesagentur für Arbeit, der Bundeszentrale für politische Bildung, des Instituts der deutschen Wirtschaft, des Weltklimarats IPCC sowie offizielle Dokumente der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation herangezogen.

Bei wirtschaftlichen Berechnungen wurde darauf geachtet, Modellrechnungen nicht als sichere Zukunftsprognosen darzustellen. Aussagen aus dem Parteiprogramm wurden außerdem von späteren rechtlichen und tatsächlichen Entwicklungen getrennt – beispielsweise beim WHO-Pandemievertrag.

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