Kinohit The Housemaid: Lohnt sich der Film wirklich?
Ein düsteres Haus, eine junge Frau mit Vergangenheit – und ein Job, der alles verändert. „The Housemaid“ basiert auf einer gefeierten Thriller-Reihe und sorgt aktuell als Kinohit für Diskussionen. Doch wie gut funktioniert die Geschichte auf der Leinwand wirklich? Nadine aus der HerLifestyle-Redaktion hat sich den Film angesehen und kommt zu einer klaren Meinung.
TL;DR: Kaum ein Thriller wurde zuletzt so gehypt wie „The Housemaid“. Die Bestseller-Verfilmung lockt aktuell die Massen ins Kino – doch funktioniert die Geschichte auf der Leinwand genauso gut wie im Buch?
„The Housemaid“ im Kino: Warum der Film dem Buch nicht gerecht wird 🎬📚
Es gibt Filme, die man schaut und denkt: Okay, das war solide. Und es gibt Filme, bei denen man innerlich die ganze Zeit denkt: Warum habt ihr das Buch so behandelt? „The Housemaid“ gehört für mich klar zur zweiten Kategorie.
Ja – ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die diesen Film gut finden werden. Und ja – für alle, die die Bücher nicht kennen, kann der Kinobesuch durchaus funktionieren. Aber als jemand, der die Romanvorlage geliebt hat, muss ich ehrlich sagen: Dieser Film wird der Geschichte, den Figuren und der emotionalen Tiefe der Bücher nicht gerecht.
Worum geht’s in „The Housemaid“ – ohne zu spoilern 🧹
Im Zentrum steht Millie, eine junge Frau mit einer schwierigen Vergangenheit, die einen Job als Haushälterin bei dem wohlhabenden Ehepaar Nina und Andrew annimmt. Das Anwesen ist luxuriös, die Regeln sind streng, die Stimmung seltsam angespannt.
Schon früh wird klar: Hinter der glänzenden Fassade brodelt etwas. Zwischen psychologischer Spannung, subtiler Manipulation unddunklen Geheimnissen entwickelt sich eine Geschichte, die im Buch vor allem von innerer Zerrissenheit, Angst und emotionaler Unsicherheit lebt.
Die Romanvorlage stammt von Freida McFadden, einer der erfolgreichsten Thriller-Autorinnen der letzten Jahre. Ihre Bücher sind internationale Bestseller – und „The Housemaid“ ist Teil einer Trilogie rund um Millie. Insgesamt gibt es drei Bände, die ihre Geschichte weiter erzählen. Der Film basiert auf dem ersten Buch der Reihe.
Mein Hauptkritikpunkt: Der Film wird dem Buch nicht gerecht 📖➡️🎥
Was im Buch funktioniert, weil wir in Millies Kopf sind, weil wir ihre Gedanken, Zweifel, Ängste und Rationalisierungen kennen, wirkt im Film oft … lächerlich oder grotesk. Im Roman ergibt vieles Sinn, weil wir die Innenwelt der Protagonistin verstehen: Warum sie bleibt. Warum sie Dinge hinnimmt. Warum sie Warnsignale wegschiebt. m Film fehlen diese inneren Ebenen fast komplett. Dadurch wirken Entscheidungen nicht psychologisch nachvollziehbar, sondern wie aus einem schlechten Thriller-Klischee-Baukasten zusammengewürfelt. Mehrfach haben Menschen im Kino laut gelacht – nicht, weil der Film lustig wäre, sondern weil Szenen unbeabsichtigt absurd wirkten. Und genau das darf bei dieser Geschichte eigentlich nicht passieren.
Amanda Seyfried als Nina: großartig Schauspiel-Leistung 🌟
Wenn es einen echten Grund gibt, diesem Film Sterne zu geben, dann ist es Amanda Seyfried. Ihre Darstellung der Filmfigur Nina ist faszinierend, vielschichtig und emotional greifbar. Sie spielt nicht einfach „die exzentrische Ehefrau“, sondern legt feine Nuancen in jede Szene: plötzliche Stimmungswechsel, unterschwellige Aggression, verletzliche Momente und dieses manipulative Spiel mit Nähe und Distanz. Man spürt in jeder Szene, dass sie die Figur verstanden hat – und ihr Tiefe gibt, wo das Drehbuch sie oft flach lässt. Für mich trägt sie große Teile des Films allein.
Im direkten Vergleich dazu bleibt Brandon Sklenar als Andrew leider sehr blass. Seine Figur wirkt über weite Strecken erstaunlich eindimensional und emotional unterbelichtet. Wo das Buch mit feinen Zwischentönen, innerer Spannung und psychologischer Tiefe arbeitet, bekommt man im Film eine glatte, kaum profilierte Version davon. Der Schauspieler gibt der Rolle wenig Kontur oder Präsenz. Dadurch fehlt eine emotionale Reibung, die viele Szenen eigentlich bräuchten, um wirklich zu wirken.
Auch Sydney Sweeney überzeugt mich hier streckenweise nicht. In der Rolle der Celia wird sie sehr stark auf Sexualität reduziert und gleichzeitig erstaunlich eintönig gespielt. Wo das Buch mit inneren Konflikten, Unsicherheiten und Widersprüchen arbeitet, bekommen wir im Film vor allem eine überzeichnete, glatte Version davon. Sie wirkt oft mehr wie ein Image als wie eine echte, psychologisch komplexe Figur – und passt für mich tonal nicht zur Tiefe, die diese Geschichte eigentlich bräuchte.
Warum Buchfans hier wahrscheinlich enttäuscht rausgehen 😞
Mein Kernargument bleibt: Dieser Film versteht nicht, warum die Geschichte im Buch funktioniert. „The Housemaid“ lebt nicht von plakativen Schockmomenten. Das Buch lebt von innerer Spannung, psychologischer Ambivalenz und emotionaler Manipulation. Ohne diese Innenansicht wirkt vieles im Film nicht tragisch oder beängstigend – sondern unfreiwillig komisch.
Dennoch haben sich die Macher dazu entschieden, genau diese inneren Ebenen fast komplett zu streichen und stattdessen auf visuelle Effekte, dramatische Zuspitzung und plakative Momente zu setzen. Was im Buch psychologisch aufgebaut, begründet und emotional aufgeladen ist, wird im Film oft nur noch „ausgestellt“. Das Ergebnis: Szenen, die eigentlich verstören, beunruhigen oder schockieren sollten, wirken plötzlich grotesk oder absurd.
Spoiler-Stichwort: Zahn-Szene. Wer den Film bereits gesehen hat, wird sofort wissen, welche Szene gemeint ist. Und für alle anderen: Merkt euch diesen Moment – und fragt euch danach einmal ehrlich, ob das wirklich eine Szene ist, in der man lachen sollte. Mehrfach haben Menschen im Kino laut gelacht – wahrscheinlich nicht, weil der Film lustig wäre, sondern weil er seine eigene Tonalität verloren hat.
Viele Filme, selbst sehr ernste Dramen, haben Momente, in denen ein Lacher oder Schmunzler die Stimmung kurzfristig auflockert. Wichtig ist dabei aber das nötige Feingefühl: zu wissen, wann man solche Augenblicke geschickt einsetzt, ohne die Grundstimmung und die Story zu verfremden. „The Housemaid“ schafft das meistens nicht. Für alle, die das Buch nicht gelesen haben, kann der Film okay sein. Für alle, die das Buch kennen und lieben, dürfte es ähnlich frustrierend sein wie für mich.
Wenn du die Bücher nicht kennst: Du bekommst einen soliden Thriller mit guter Hauptdarstellerin und ein paar spannenden Momenten. Wenn du die Bücher kennst und liebst: Mach dich auf Enttäuschung gefasst. Der Film vereinfacht, verkürzt und verzerrt eine Geschichte, die eigentlich von psychologischer Tiefe lebt. Meine Sterne gibt’s fast ausschließlich für Amanda Seyfried. Alles andere fühlt sich an wie eine verpasste Chance. Und weil die Story rund um Millie weitergeht: Es bleibt nur zu hoffen, dass das Drehbuch für den zweiten Teil deutlich besser wird. ✨
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